Remugnano
2023
26. Internationales Symposium für Bildhauerei auf Steinen aus Friaul-Julisch Venetien
Roter Verzegnis-Marmor
Das Kunstwerk
Die Skulptur AmaTe wurde von den Künstlerinnen Silvia Maffioli (Lombardei, Italien) und Julie Glaspy (Kanada) geschaffen. Sie wurde konzipiert, um das gesellschaftlich sehr relevante Thema der geschlechtsspezifischen Gewalt sichtbar zu machen, das die Generalversammlung der Vereinten Nationen dazu veranlasste, den 25. November zum „Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen“ zu erklären.
Bereits der Titel spielt mit der Sprache: AmaTe kann „Liebe dich selbst“ bedeuten oder als Imperativ des Verbs „lieben“ gelesen werden – „Liebt!“ – als Aufforderung zur Liebe, im Gegensatz zur Gewalt. Diese Ermutigung steht im Zentrum des Kampfes gegen geschlechtsspezifische Gewalt: nicht als bloßer Slogan, sondern als Einladung, den eigenen Wert, die eigene Würde und Identität anzuerkennen und zu bekräftigen.
In diesem Sinne wird die Skulptur zu einem Appell an die innere Stärke – insbesondere für jene, die Gewalt oder Unterdrückung erfahren haben oder Gefahr laufen, sie zu erleben.
AmaTe ist eine Bank-Skulptur, die dazu gedacht ist, erlebt zu werden, noch bevor man sie betrachtet. Sie tritt nicht als distanziertes Monument auf, sondern lädt zur einfachsten und menschlichsten Geste ein: sich neben jemanden zu setzen.
Die Sitzfläche ist solide und einladend. Die Rückenlehne besteht aus zwei Herzen, die sich annähern und berühren, ohne vollständig zu verschmelzen. Es sind offene, klar erkennbare Herzen – ein unmittelbares Symbol für Begegnung, Dialog und Beziehung.
Wer Platz nimmt, wird ganz natürlich dazu angeregt, den Raum zu teilen, einander anzusehen und miteinander zu sprechen.
Das Werk verwandelt die Liebe von einem abstrakten Begriff in eine konkrete Handlung.
Doch am Sockel der Bank erscheinen – fast verborgen vor einem flüchtigen Blick – Brüche. Sie sind nicht dekorativ. Sie sind Wunden. Risse im Material, die das Gleichgewicht unterbrechen und das Thema des Leidens einführen: den Schmerz, der entsteht, wenn eine Beziehung zerbricht, wenn Liebe in Kontrolle, Unterdrückung oder Gewalt umschlägt. Diese Bruchstellen erinnern daran, dass Liebe niemals harmlos ist, wenn der Respekt fehlt.
Die Botschaft von AmaTe ist daher doppelt und bewusst behutsam:
Der Titel verstärkt diese Lesart: AmaTe richtet sich nicht nur an andere, sondern in erster Linie an einen selbst. Sich selbst zu lieben bedeutet, den eigenen Wert zu erkennen, zu wissen, wann man von einer Bank aufstehen muss, die schmerzt, und Beziehungen zu wählen, die keine Brüche hinterlassen.
In diesem Gleichgewicht zwischen Geborgenheit und Verletzung wird AmaTe zu einem Ort der Rast und der Reflexion – eine Skulptur, die nicht schreit, sondern leise spricht.